Samstag, 1. Februar 2020

Nr. 3 vom 1.2.1970 oder Der Fluch des Roy Black


So, jetzt nehm ich euch mit nach Mendocino. Ab heute gibt es eine wichtige Innovation im Blog, nämlich eine Youtube-Playlist mit ALLEN Hits dieser Woche! Ist das nicht super? 



So, die dritte Goldene 20, und zum drittenmal Roy Black auf der Nummer 1! Roy wird uns noch ungefähr ein Jahr begleiten, und dann von einem auf den anderen Tag auf lange Zeit verschwinden. Deinschönstes Geschenk ist seine zweiterfolgreichste Single nach Ganz in Weiß von 1965 und vor Schön ist es auf der Welt zu sein, über das wir noch beizeiten sprechen müssen.

Roy Black heißt eigentlich Gerhard Höllerich, und Gerhard fand, dass sein Name doch etwas zu wenig Rock And Rollerich hatte. Wohl zu Recht. Er entschied sich dann für „Roy Black“. Ich finde allerdings, „Gerd Hölle“ wäre die bessere Wahl gewesen. Aber auch Roy Black wäre keine schlechte Wahl, wenn man die Roy-Black-Haftigkeit seines Namens außen vor läßt, welche allerdings erst wir Nachgeborenen assoziierten, da wir Roy-Black-Haftes ja nur von Roy Black kennen. 1963 hingegen war „Roy Black“ ziemlich crispy, wild und gefährlich. Ich weiß, es ist wirklich schwer, das zusammenbringen. Wir sind pavlovsche Hunde, die bei „Roy Black“ nur ganz in weiß sabbern können. Den Pfad eines gefährlich wirkenden Roy Black verließ er allerdings dann schon im Jahr 1965. Und dann kam Anfang 1966 Ganz in Weiß, ein transgalaktischer Superhit, mit dem er 14 Wochen in den Charts paradierte. Und weitere Hits. Bis Ende 1969 war Roy Black praktisch unbesiegbar. Dein schönstes Geschenk ist sozusagen auch ein Erbe aus dem Vorjahr, denn 1970 wurde für Roy Black ein echtes Scheißjahr.

Erst Ende des Jahres wird er sich davon wieder erholen zu einem kurzen Zwischenhoch, und dann ist es erstmal sehr lange vorbei. Roy Black ist sozusagen ein Schlagersänger, der zur allerbesten Schlagerzeit in der ersten Hälfte der Siebziger nicht erfolgreich ist. Roy Black ist oldschool, altbacken, und es ist wohl auch einigermaßen schädlich, einen ganzen Haufen spektakulär schlechter Filme gedreht zu haben. Meistens spielen Theo Lingen, Uschi Glas und Ilja Richter mit. Wenn es gut läuft im Kino, dann schadet es nichts, wenn es aber nicht so gut läuft, dann nervt man das Publikum noch zusätzlich. Fragt mal Elvis.

Für Roy Black lief es dann später gar nicht gut. Es ist nachzulesen, dass er pleite genug war, um Taschenpfändungen über sich ergehen lassen zu müssen. Und er trat aus der Kirche aus, um Steuern zu sparen. Um Himmelswillen! Das ist ja sozusagen ein faustischer Pakt! Die Kirche zu verlassen, um wieder ein Star zu sein! Aber es funktionierte: mit Ein Schloß am Wörthersee war er dann plötzlich wieder dick im Geschäft. Im Grunde muß man sich ESaW (wie wir aficionados es nennen) so ähnlich wie das Traumschiff (TS) vorstellen, - nur ist das Traumschiff hier ein Hotel und der Ozean hier der Wörthersee. Ansonsten laufen sowohl bei TS als auch bei ESaW in jeder Folge Prominente vorbei und werden mit lockerer Hand in die Handlung eingewoben. Und sie sind ja nicht zuletzt prominent, weil sie bei TS und ESaW mitspielen, ein sich selbst verstärkendes Huhn-Ei-Phänomen. ESaW lief jedenfalls Bombe, und deshalb war es umso bedauerlicher, dass Roy Black leider schon nach Staffel 2 verstarb.

Aber jetzt mußte der faustische Pakt eingelöst werden.

Offenbar lautete dieser Faustpakt, dass von Roy Black kein Abbild mehr nach seinem Tode hergestellt werden kann. Jedenfalls kein Abbild, auf dem man ihn erkennen könnte. Den Anfang machte eine Stele in seinem Heimatort Augsburg. Sie besteht aus einer pausbäckigen Frisur und dem Versuch eines Kinngrübchens.


Quelle: wikipedia





































Der Faustpakt war wohl wie bei Oscar Wilde angelegt (hey, merkt ihr was: Roy BLACK und Dorian GRAY?!). Auch in Velden am Wörthersee hatte man das Bedürfnis nach einer Roy-Black-Büste. Und es ging noch schlimmer schief. Während man bei der Augsburger Version noch etwas Ähnlichkeit hinein gutmeinen könnte, ist in Velden nun wirklich alles verloren.






Quelle: Mopo/imago/Lindenthaler

Das könnten auch John Lennon, Udo Jürgens, Elvis oder Peggy March sein, um einige weitere Prominente unserer dieswöchigen Hitparade zu nennen. Vor allem: was ist mit dem Kinn? Ich meine, wenn man so ein markantes Grübchen am Kinn hat, dann muß das doch auch im Abbild zu finden sein. Das wäre sonst wie Gorbatschow ohne Flecken oder Heino ohne Brille. Aber ihr könnt es ja auch mal probieren. Nehmt einen Zettel und versucht, Roy Black zu zeichnen! Na? Hat es geklappt? Nein? Voll unähnlich? Jaha, seht ihr, das ist DER FLUCH DES ROY BLACK.
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Unbedingt erwähnt muss auch noch das tolle Oh Well von Fleetwood Mac auf Platz 9. Ich habe hier eine sensationelle Version von den wunderbaren Haim-Schwestern. Wobei „ wunderbare Haim-Schwestern“ und „Fleetwood Mac“ sich jetzt vielleicht völlig falsch anhört. Fleetwood Mac 1970 waren noch eine Rock-Band, und die Haim-Schwestern – sind auch eine Rockband. Und wie großartig und witzig sie das machen! Mädchen können heutzutage alles und das ist auch gut so. Fast würde man wünschen, Roy Black hätte so viel Rock n Roll gehabt wie Danielle Haim im kleinen Finger. Oh Well!

Rakete der Woche: Venus ( plus 7 Plätze)
Blei der Woche: Geh nicht vorbei ( minus 6 Plätze)
Veteran der Woche: Mendocino (13 Wochen)
Liebling der Woche: Oh Well

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