Freitag, 30. April 2021

Nr. 31 vom 29.4.1971 oder: Spiel mir das Lied vom Schmetterling

 

Und hier die aktuellen Top 20 in der youtube-Playlist!

Auf mein beständiges Dissen von Creedence Clearwater Revival regte sich Protest, geradezu Aufruhr im Publikum und unter wohlmeinenden Freunden. Aber gut! Sehr gerührt hat mich allerdings die Zuschrift meiner lieben Freundin Susann, welche mir einen Ausschnitt ihres Tagebuchs aus dem Frühjahr 1971 übersandte:



Ich hätte nicht gedacht, dass diese zotteligen kalifornischen Hallodris das Objekt einer derart tief empfundenden Mädchenminne werden könnten. Wobei Susann zur Dokumentation ihres Unwillens zu - sagen wir es klar - so deutlichen Formulierungen griff, dass sie damit sogar eine komplette Tagebuchseite verschleuderte. Was für eine Kötze! 

Viele unserer jüngeren Leser kennen das ja nur von Take That und Robbie Williams, ziemlich genau 25 Jahre später. Und noch einmal 25 Jahre später, also jetzt, gäbe es gar keine Gruppe mehr, für die ein solcher Abgang zu bedauern wäre. 

Creedence Clearwater gehört auch zu den Gruppen, deren Protagonisten nach Ende der Gruppe nicht mehr so viel Revival hatten. John Fogerty, der fast alle Lieder geschrieben hatte, mümmelte sich mit einem einzigen Hit weiter (wenn wir mal Rocking Over The World von Status Quo außen vor lassen, das er verblüffenderweise auch geschrieben hat). Was uns zu der Frage führt, wer eigentlich nach Verlassen seiner erfolgreichen Band noch immer erfolgreich war oder gar erfolgreicher. Auf der Seite der Sieger finden wir Phil Collins und Peter Gabriel, natürlich Beyonce, Lou Reed, Bjork,vielleicht Sting. Auf der Seite der Verlierer zählen wir John Fogerty, Roger Waters, Roger Daltrey, Susanna Hoffs, Billy Corgan, Agnetha Fältskog. Etwas kompliziert ist es bei den Beatles. Einerseits sind sie alle Verlierer  - andererseits sind gerade in dieser Woche 1971 vier Plätze von drei verschiedenen Beatles besetzt. Erstaunlicherweise ist es der stille George Harrison mit zwei Liedern in den oberen Regionen, während John und Paul auf den unteren Plätzen herumlümmeln. Es ist ohnehin verblüffend, wie lang die Geniemaschine Beatles noch nachlief, wenn man sich vergegenwärtigt, was die Beatles nach der Trennung in den Jahren 70/71 noch auf die Reihe bekommen haben (später z.B. noch Johns "Imagine"). Allerdings müssen wir auch feststellen, dass Paul McCartney den John Lennon dringend benötigt hätte (was McCartney nie zugegeben hätte), wie John Lennon seinen Paul McCartney ebenso dringend brauchte (was Lennon noch viel weniger zugegeben hätte). 

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Und: Karlo Tobler hat mir ein ORIGINAL-Filmplakat von Spiel mir das Lied vom Tod geschenkt, was natürlich sehr nett ist. Wohlgemerkt, ein ORIGINAL Plakat, nicht irgendein nachgedrucktes Zeug. Das Poster hängt jetzt an der Innenseite meiner Küchentür. Man hat ja jetzt zu Coronazeiten keine Gäste, aber normalerweise koche in der Küche die Köstlichkeiten und setze mir die Gäste daneben, damit sie helfen können oder mich unterhalten. Mal sehen, was passiert, wenn sie das neue Poster entdecken!

"Sag mal, du lädst mich zum Essen ein, und in der Küche hängt Spiel mir das Lied vom Tod. Hat das etwas zu bedeuten??!?"

"Mmmh. Könntest du zwei Möhren schälen?"

Spiel mir das Lied vom Tod um viertel vor Zwölf

So. Jetzt einmal zu dem Rest der Hitparade. Und hier schleicht sich so langsam jemand nach oben, der uns noch lange, lange Zeit dieses Jahres begleiten wird. Danyel Gerard mit Butterfly. Interessant ist, dass Gerard das Lied schon mal unter dem Titel Hélas trois fois hélas veröffentlicht hatte (hier), aber man hört: das ist noch eine Raupe, und da ist der Schmetterling noch nicht geschlüpft. 

Danyel Gerard war zudem auch schon viel länger im Geschäft. Seine erste Single veröffentlichte er 1958, da haben die Beatles gerade nach Hamburg in ihrem Schulatlas gesucht. Bis 1967 veröffentlicht er noch mehr als 20 Singles und sagen wir mal so - extrem super läuft es nicht für ihn. Gerade mal eine einzige LP veröffentlicht er 1964. Ich glaube, nach Hélas trois fois hélas hat er sich erst einmal hingesetzt und überlegt, Danyel, so gehts nicht weiter, jetzt muß es einmal richtig krachen. Er läßt er sich erst einen Bart stehen, drückt sich einen Borsalino auf den Kopf, zieht ein Sakko über und setzt ein Halunkengrinsen auf. Dann dichtet er das Helaslied auf Butterfly um, spielt dazu auf der Klampfe und bingo. Nr. 1 in 15 Ländern, einer der größten Hits aller Zeiten.  Hier in der Hitparade, später im Jahr 1971. 

Hört ihr, wie sie klatschen und mitgehen? Damals sogar recht ungewöhnlich, aber Butterfly war ein transgalaktischer Hit, und vielleicht auch eines der ersten Mitklatschlieder im TV, der Ur-Opa von Life is Life und An der Nordseeküste? Danyel Gerard hat dabei etwas leicht Undurchschaubares, Halbseriöses, geradezu Charles-Bronson-Haftes, was aber nicht einmal unsympathisch ist. Denn man sieht: er glaubt es jetzt nicht so richtig, was da mit ihm passiert. Er steht im Studio 1 der Berliner Union Film und die Boches klatschen seinen Butterfly durch. 

So, jetzt müßt ihr sehr stark sein. Hier ein Auftritt des mittlerweile 80jährigen Danyel Gerard, den Andrea Kiewel mit Bonjour Monsieur Danyel Gerard ankündigt (sie muss auf ihrem Zettel vorher gucken), im  Fernsehgarten von 2019.

Und sie johlen und klatschen noch immer. Und Danyel Gerard lächelt noch immer maliziös, ungläubig, aber vielleicht auch ein wenig dankbar, dass ihn der Schmetterling seit 50 Jahren über die Welt trägt. Und noch etwas fällt auf: es ist bemerkenswert, wie dull und bräsig einem das Fernsehgarten-2019-Publikum vorkommt, wenn man das fast possierliche Hitparaden-1971-Publikum dagegenhält. Das werden wir im Auge behalten, denn es kann auch eine perspektivische Täuschung sein. 1971 kamen uns Komparsen und Zuschauer aus alten UFA-Filmen genau so naiv und kinderdoof vor wie uns das Hitparadenpublikum von 1971. Aber da ist noch etwas anderes, wenn ihr einmal auf das Setting, das Publikum, die Mode, Haltung, Licht und Ton schaut: 1971 war das Leitbild einer Live-Show, Fernsehunterhaltung noch wie eine Theatervorstellung, wie Nathan der Weise. In Andrea Kiewels Fernsehgarten ist es eher die Strandpromenade auf Mallorca. 

Butterfly (Quelle: CBS, discogs)




Dauerbrenner der Woche: Roy Black und Peter Alexander mit 18 Wochen

Rakete der Woche: Middle Of The Road von 15 auf 5

Liebling der Woche: Butterfly, mein Butterfly...


Donnerstag, 15. April 2021

Nr. 30 vom 15.4.1971 oder Spiel mir das Lied vom Tod nach

 


Und hier der Link zu der aktuellen Hitparade. 

Oh, jetzt ist es passiert, was für ein peinliches, schreckliches Elend: Creedence Clearwater Revival sind mit Hey Tonight auf dem Platz an der Sonne. Wie scheußlich, wie schrecklich! Ach, wären es Schneeflöckchen im Februar, oder Tom Jones oder auch unser Freund Randolph mit Silver Moon Babiiiiiiie, aber Covid Clearwater Revival ist eine echte Strafe, aber echt. Als sachter Trost sei vermerkt, dass CCR uns zukünftig nicht mehr viel behelligen werden. Gerade sitzen sie noch auf den weichen Sofa und denken, sie sind Könige der Welt. Seine Mitstreiter (darunter sein Bruder) hatten aber bald genug vom unsympathischen John Fogerty und so trennten sie sich im darauffolgenden Jahr. CCR hatte in den USA insgesamt 9 Top 10-Hits, John Fogerty anschließend noch einen einzigen.

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Spiel mir das Lied vom Tod! Habe ich eigentlich schon einmal erzählt, dass ich praktisch der weltgrößte Fan von Ennio Morricone bin? Ich habe ca. 50 Soundtracks zusammengesammelt. Wie viele es insgesamt gibt? Man schätzt, der Meister hat ungefähr 500 Filmmusiken hergestellt; auf Platte/CD etc. sind ungefähr die Hälfte erschienen. Da war Joseph Haydn mit 107 Symphonien ein rechter Faulpelz dagegen! Man hört Morricone-Melodien sehr schnell heraus. Once Upon A Time In The West aka Spiel mir das Lied vom Tod gehört eindeutig zu den besseren und besten Werken von Morricone,. Es ist einfach die perfekte Symbiose und Stimmung der Endsechziger, es ist musikalisch anspruchsvoll und benutzt sogar nahezu wagnerische Leitmotivtechnik. Lustig: für das deutsche Cover der Single und der LP wurde eine sehr eindrucksvolle Nachmalerei der zweitberühmtesten Szene des Films verwendet. Wenn ihr euch entsinnt: es ist das Finale der langen Anfangsszene am Bahnhof, und gerade in dieser Viertelstunde aber wurde absichtlich auf jegliche Filmmusik verzichtet (wenn ihr jetzt gerade an ein quietschendes Windrad, an eine Fliege, an Wassertropfen denkt: ja, genau).

Peng! Peng! Peng! (Quelle: discogs, ariola)

Es ist etwas vertrackt mit deutschen Übersetzungen: "Spiel mir das Lied vom Tod" ist eine gar nicht mal so üble deutsche Nacherfindung. Die Single "Spiel mir das Lied vom Tod" ist eigentlich das Jill-Thema (Claudia Cardinale, das Lied heißt verwirrenderweise auch noch C'era Una Volta Il West) und das überberühmte "Das Lied vom Tod" ist das Harmonica-Thema (Charles Bronson). Auf der Single (s. Abbildungen) war man sich auch nicht so recht klar, was denn nun die A-Seite und was die B-Seite ist. Das Jill-Thema ist typischer Morricone, einer hymnischen ins Nimmerland hinsteigenden Melodie und einer schmelzenden Vocalise-Frauenstimme, toll.

Oben Spiel mir, unten das Lied vom Tod (Quelle: discogs, ariola)


Dann aber das Harmonica-Thema aka Das Lied vom Tod.  Hört euch nur einmal an, wie gut das ist. Die quere, schräge, verhallte Mundharmonika in der ersten halben Minute. Dann schleichen langsam die Holzbläser und Celli in einem nervösen Drei-Ton-Ostinato dazu (0:25), und dann ab 1:05 kracht die E-Gitarre hinein, die Streicher immer drängender, immer weiter auftürmend, und ab 2:00 Auflösung, Chor, Hymne.

So. Es ist ja nicht so, dass hier in der Goldenen 20 die Sachen einfach so hingeschlunzt werden. Mir fehlte im vorherigen Absatz das Wort für Ostinato, und so whatsappte ich Marek mit einem Link zum Lied vom Tod und der Bitte um Aufklärung. Marek ist der einzige Mensch, den ich kenne, der einen Flügel im Wohnzimmer stehen hat. Einen Flügel, wohlgemerkt, nicht ein Klavier, nicht eine Stereoanlage oder eine Couchgarnitur. Einen echten verdammten Flügel zum Klavierspielen. Er textete eine Viertelstunde später zurück:

"Oh hochinteressant, sich das anzuhören. In der Klassik heißt das Ostinato. Die Figur ist C - Dis - E, C - Dis - E  und übernimmt die Töne der Harmonika vom Anfang. Von den Intervallen erst mal ausgehend vom C kleine Terz, große Terz, dann wieder C. Leicht tricky ist, dass das die Tonart bestimmende A erst verspätet eingeführt wird (Sekunde 33), dann geht es im Bass G - F - E, Figur ändert sich auch leicht also G H Dis E, F - A Dis E, bis mit E Gis Dis E die Dominante von a-moll erreicht ist und so erst im klassischen Sinne die Tonart etabliert ist. Akkorde also a-moll, G-Dur mit Sexte, F mit größter Septime und dann der E-Dur Dominant Akkord mit Rückführung zu dem a-moll Akkord samt verminderter Quinte. In dem Moment, in dem das A im Bass auftaucht, sind die Ostinatotöne als kleine Terz, verminderte Quinte (=Tritonus) und reine Quinte definiert.

Höre dir mal den Anfang von Für Elise an, beginnt mit den gleichen markanten Tönen (Dis-E) am Anfang oben, das definierende A im Bass taucht dann allerdings schneller auf, eigentlich komplett identisch, aber wirkt nicht ganz fatal, da die Spannung schneller gelöst wird und es harmonisch etwas konventioneller weitergeht. So weit auf die Schnelle."

Er klebte noch folgenden Link dazu!

Das ist natürlich alles hochinteressant. Und wenn man es weiß, dann hört man auch, dass Ennio, der kleine Halunke, das Lied vom Tod von Elise geklaut hat! Wahrscheinlich hatte Beethoven das Blatt in der Betriebskantine vergessen, am Currywursttag, und Morricone hat es gefunden und gedacht, super, jetzt noch Mundharmonika dazu, dann hab ich endlich das Lied vom Tod! 

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Es dürfte Anfang der Siebziger gewesen sein, als mir mein älterer Vetter Reinhard über den Film erzählte. Mir ist nicht ganz klar, ob er Spiel mir das Lied vom Tod damals tatsächlich im Vorortkino gesehen hatte, oder ob auch er die Geschichte von jemandem weitererzählt bekommen hatte, der den Film auch nur möglicherweise gesehen hatte. Wahrscheinlich bestehen die Geschichten der Menschheit aus lauter Erzählungen, die man von seinem Cousin bunter und wilder als die vorher erzählte Version mitbekommen hat. Wahrscheinlich war die Sintflut auch nur ein kleiner Wasserrohrbruch, und der Wohnzimmerteppich ist dabei halb nass und fast ruiniert worden. 

Wie auch immer: mein Vetter Reinhard erzählte die erstberühmteste Szene des Films: der Vater (ein beliebter Irrtum: es ist eigentlich der Bruder) steht auf den Schultern des kleinen Jungen, das Seil um den Hals geschlungen, unter einem Galgen in sengender Sonne. Und wie Henry Fonda dem kleinen Jungen eine Mundharmonika zwischen die Lippen drückt und sagt: "Spiel mir das Lied vom Tod", und dann reiten die Bösen einfach weg und lassen die beiden zurück.

"Und was ist dann passiert?"

"Der kleine Junge will ja nicht, dass sein Vater stirbt. Deshalb bleibt er stundenlang stehen."

"Und dann? Und dann?"

"Ja, dann fällt der Junge irgendwann vor Schwäche um und der Vater baumelt am Strick und stirbt."

Boah. Ich habe den Film erst sehr viel später gesehen, und natürlich konnte die Filmszene niemals mit der Dramatik der in meiner Vorstellung tausendmal ausgemalten Szene mithalten. Der Vater, auf den Schultern des kleinen Jungen, die Mundharmonika, das Lied, die Sonne, die Hitze, das Lied vom Tod.

Ich stellte die Szene mit Timpo-Cowboys nach, aber die waren zu klein. Big Jim war eigentlich zu groß, und es fehlte mir die zweite Person, weil ich Big Jeff nie bekommen hatte. Und Big Jeff wäre auch genau so groß wie Big Jim, und das wäre ja unlogisch, wenn er der Vater war. Schließlich mußte dann der Stoffhund Bello aushelfen. Es dürfte das jämmerlichste Re-Enactement von Spiel mir das Lied vom Tod nach aller Zeiten gewesen sein, zumal auch ein Bein von Big Jim abgebrochen war. Etwas Rouladengarn als Galgenstrick, ein einbeiniger Big Jim und ein Stoffhund - so ging Sergio Leone in meinem Kinderzimmer. Ob ich später Apocalypse Now mit einem Toaster, einem Stutenkerl und zwei Packungen Caprisonne nachgespielt habe? Fragt nicht!

 

Dauerbrenner der Woche: immer noch Chris Roberts mit 18 Wochen

Rakete der Woche: tatsächlich Das Lied vom Tod von 0 auf 14

Liebling der Woche: welche Frage! Ennio Morricone!




Donnerstag, 1. April 2021

Nr. 29 vom 1.4.1971 oder Wer hat meine Rosen so zerstört

 

My Sweet Dauerlord: das ist natürlich schon etwas frustrierend, wie es da oben festgenagelt scheint. Hier erst einmal die Top 20 auf youtube. 

Locker die Hälfte der Stücke kenne ich aus Alt-Erinnerung, also von 1971. Etwa  Stücke wie "Rose Garden", die ich wirklich nur nebenbei gehört haben kann und später gewiß weggeklickt. Es ist ja so, dass bei vielen sehr dauerpopulären Stücken, wie etwa My Sweet Lord, die Erinnerung verseucht wird durch nachmaliges häufiges Auftauchen in den Jahrzehnten. Andere Lieder sind nicht immergrün, sondern fest mit einer bestimmten Zeit verbunden. So geht es mir auch mit What Is Life von George Harrison, das in dieser Woche in die Charts kommt, und eben auch mit Rose Garden, das fest an die Anfangsiebziger getackert ist. Und deshalb eignen sich die etwas unauffälligen Hits besser, um eine bestimmte Zeit in der Erinnerung zu möblieren als die Superhits. Frappierend finde ich, wie viele Lieder einer Top 20 von 1971 man kennt, entweder aus dem Jahr selbst oder durch den Kometenschweif, den sie durch nachfolgende Jahre gezogen haben. Ich zähle 15 Stück, das sind drei Viertel, die ich als Fünfjähriger irgendwie eingesogen habe. Ohne Spotify. Es ist schon verblüffend: obwohl die Verteilmöglichkeiten der Musik vor 50 Jahren viel, viel geringer als heute waren, haben sich die Lieder stärker im kollektiven Gedächtnis abgesetzt. 
Wir hatten es ja schon in der letzten Ausgabe stark mit den Rosen, aber jetzt gibt es ein Roseninferno. Auf Platz 8 finden wir nämlich Randolph Rose, mit der Coverversion Silvermoon Baby. Sagen wir es mal so: Randolphs Singtalent wird klar von seiner Begeisterungsfähigkeit übertroffen. Eigentlich ist es ja ein Countrysong, aber Randolph zwingt es in Richtung Strandtanzlied. Aus der ZDF Hitparade haben sich zwei weitere Proben von Randolph Roses Gesang erhalten. Dazu muß man wissen, dass in der ZDF Hitparade immer Halb-Playback war, also die Sänger buchstäblich ihre Stimmkarten auf den Tisch legen mußten. So auch Randolph hier in einer Ausgabe von 1971 und in einer Ausgabe von 1972. 
Das ist alles recht schlimm. Randolph Rose singt sich in späteren Zeiten weitgehend erfolglos und tapfer durch die Jahrzehnte. Wenn man jetzt denkt: hm, Schlager und Rose, da war doch noch jemand - genau, das war Marianne Rosenberg. Das könnte man jetzt für einen Zufall halten, aber Randolph Rose ist tatsächlich der Cousin von Marianne Rosenberg. Donnerwetter! Das wußtet ihr jetzt nicht!
Allerdings verplätscherte sein Erfolg im Gegensatz zu seiner Cousine sehr rasch. Wahrscheinlich mußte man ihn später bei den Möbelhauseröffnungen ankündigen mit: "Und hier ist er, bekannt aus der ZDF-Hitparade, acht Wochen in den deutschen Charts,  - Randolph Rose", wohingegen bei anderen ein "Und hier ist er - Bata Illic" locker hinreichte. Das ist ja auch bei den Besetzungen im Dschungelcamp so, dass sie sorgfältig kuratiert und moderiert werden müssen, damit das Publikum auch verstehen kann, wer vierzehn Tage lang Würmer essen wird. Achtelfinale beim Bachelor, damit bist du halt noch ein Stück weit von Elvis Presley, James Dean und allgemeingültiger Bekanntheit weg.
Zurück zu Randolph Rosenmann! Im Jahr 2020 passiert etwas Merkwürdiges. Ein Gebäudereiniger aus Ostdeutschland stellt sich bei DSDS vor, und zwar mit "100 Jahre sind noch zu kurz", einem Mini-Hit aus dem Spätwerk Randolph Roses. Dieser junge Mann mit dem entlegenen Geschmack kommt nicht nur weiter, sondern gewinnt die Staffel, und singt sein Startlied nochmal als Siegerlied. Und er heißt, es ist kaum zu fassen: Ramon Roselly. Leute! Ich hab das nicht erfunden!
Durch Ramon Roselly wird wiederum Randolph Rose an die Oberfläche des öffentlichen Bewußtseins gespült. Wenn die Flut kommt, steigen alle Boote und Rosen! Daraufhin hat Randolph den 100-Jahre-Schlager noch einmal eingespielt. Meine Güte, was hätte man für einen heißen Scheiß machen können. Eigentlich hätten sie alles, alles machen können, nur nicht das, was sie in diesem Urlaubsvideo gemacht haben, ich weiß nicht, wo das gedreht ist und ich fürchte, es auch nicht wissen zu wollen. Die neue Produktion tut dem ohnehin etwas dünnem Liedchen überhaupt nicht gut (Konservenschlagzeug, Larifarihintergrunddudel etc.). Wer hat dein Lied so zerstört, Randolph!

Übrigens, kurz bevor Randolph Rose seinen Erfolg mit Silvermoon Baby einfuhr, hatte er einen Gastauftritt in einer ZDF-Jugendserie. Nein, nichts mit Rosen. Die Serie heißt "Tommy Tulpe"
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Auf Platz Nr. 19 Daliah Lavi mit Wer hat mein Lied so zerstört, Ma, das Miriam Frances übersetzte, die wir ja schon kennen gelernt hatten. Das Original ist von Melanie, die wir ja erst in der letzten Ausgabe mit Ruby Tuesday in den Goldenen 20 hatten. Was für eine interessante Stimme! Eigentlich hat sie mir ein bißchen zu viel Tremolo. Ich mag eher die mineralwasserklaren Soprane; vielleicht werden wir uns irgendwann einmal bis Abba vorarbeiten: Agnetha Fältskog, das ist für mich der perfekte lyrische Sopran

Melanie, schaut mal hier, ist sogar etwas rauh unterlegt, aber mit einer eigentlich süßeren Stimmlage (erinnert an Susanna Hoffs von den Bangles). Melanie Safka, wie sie eigentlich heißt, wurde berühmt, als sie für die anstellerischen Incredible String Band im Regen von Woodstock einsprang und das ganz fabelhaft machte. Sie landete dann auch auf der Woodstock2-Platte. Jedenfalls eine schönere Stimmlage als ihre Woodstock-Mitsängerin Joan Baez, mit deren Gesang man die Terrasse kärchern kann. Hier Melanie in Woodstock.


Ja, wer war es denn nun? (Quelle: discogs, Polydor)

Hier noch einmal eine wirklich verblüffende Aufnahme des Lieds mit Miley Cyrus (!) 

Ich will gar nicht mal sagen, dass es Miley Cyrus schlecht macht, aber Melanie Safkas Ausstrahlung und Stimme, das ist schon doller als das Chlorhühnchen. Aber eigentlich sind wir ja bei Daliah Lavi, bei dem das Lied vom Melanie-Sirenensopran auf Mezzosopran heruntertransponiert wird (oder ist das gar Alt?), was dem Lied aber gar nicht so gut tut, finde ich. Wer hat mein Lied...ach, ich bin schon still. 


Dauerbrenner der Woche: Chris Roberts mit 16 Wochen

Rakete der Woche: George Harrison von 0 auf 10 mit What Is Life

Liebling der Woche: Another Day von Paul McCartney


Donnerstag, 18. März 2021

Nr. 28 vom 18.3.1971 oder Alles rote Rosen regnen mir auf Erden



Na, so ganz, ganz langsam beginnt My Sweet Lord doch ein bißchen zu nerven. Jetzt ist es schon seit Januar auf Platz 1. Ich fürchte allerdings, es wird uns noch einige Zeit begleiten. Genau wie das unsägliche Hey Tonight wieder auf Platz 2. Man beachte, dass die ersten 9 Plätze seit letzter Woche nur Plätze umeinander getauscht haben. Ist das etwa frühlingshafte Lebendigkeit, 1971? Hier der youtube-Link der Top 20.

Bei Ramona - sie heißt eigentlich Ramona Wulf - ist "Alles was wir wolln auf Erden" übrigens der einzige Superhit. Jetzt gerade ist Ramona auf dem Scheitelpunkt ihres Ruhms, aber sie weiß natürlich gar nichts davon, dass es nicht weiter aufwärts gehen wird. Eigentlich! 

Dafür sollte man zuerst ihren Clip zu Alles was wir wolln auf Erden anschauen, in dem sie einem altrosa Kleidchen und weißen Kniestrümpfen an einem See hyperaktiv herumhüpft. 

Das Lied tauchte dann auch im Film Tante Trude aus Buxtehude auf, in der die üblichen Verdächtigen die Hauptrollen spielten: Ilja Richter, Rudi Carrell, Theo Lingen und Chris Roberts. Hier ist das Lied im Trudenfilm, da ist Ramona ebenfalls hyperaktiv in einer Gaststätte.

Ab Minute 0:40 muß sie dann Rainer Basedow ansingen, und ihr Unbehagen ist schier mit Fäusten zu greifen. Basedow war zu diesem Zeitpunkt gerade mal 32 Jahre alt. Manchmal verblüffend, wie alt früher die jungen Leute waren. So, Schnitt, einige Jahre später, ein weiterer Ausschnitt mit der Silver Convention, und schaut mal hin, wer da in der Mitte singt, genau, Ramona:

Fly Robin Fly, ist übrigens eines der wenigen Lieder, von denen ich den Gesamttext auswendig kenne (Fly Robin fly, up up to the sky). Und es hat es tatsächlich an die Spitze der US-Charts geschafft! Das ist natürlich fett. Und die maximale Entfernung zu Tante Trude aus Buxtehude, die man im Leben so schaffen kann. 

Ebenfalls bemerkenswert: Ramona ist 1964 ein Opfer der Hanauer Granatenkatastrophe. Ein Mitschüler namens Rudolf Pospiech (so hießen Kinder damals) hatte auf dem Schulweg einen kleinen goldfarbenen Zylinder gefunden, in die Schule mitgebracht und auf dem Pausenhof herumzeigt. Leider handelt es sich um eine amerikanische Sprenggranate, die auch noch losgeht. 55 Kinder werden verletzt, und durch ein Wunder keines getötet. Ramona erhält zwei Splitter ins Knie.

Mittlerweile ist Ramonas Karriere vollständig ausgeplätschert, sie ist später Heilpraktikerin geworden (sie ist ja jetzt erst gerade mal 66!)

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Ich habe einmal wieder in den SPIEGEL geschaut, vom März 1971. Wenden wir den Blick einmal von der Musik, die damals gehört wurde, zu den Büchern der Zeit:

Spiegel Beststellerliste März 1971. Quelle: Der SPIEGEL


Auf Platz Nummer 1 steht Der geschenkte Gaul von der Knef. Als der von mir sehr geschätzte Literaturwissenschaftler Michael Maar (geschätzt schon allein deshalb, weil er dasselbe wie ich dufte findet) jüngst in seinem übrigens sehr lesenswerten Kompilationsbuch "Die Schlange im Wolfspelz" den geschenkten Gaul angelegentlich empfahl, habe ich es mir antiquarisch angeschafft. Der Gaul rockt die Leseliste von 1971 El-Condor-Pasa-artig, und vielleicht können sich ältere Flohmarktbesucher erinnern, dass in den Bückkisten auch immer der Geschenkte Gaul zwischen C.C. Bergius und H.G. Konsalik klemmte. Hildegard Knef hat übrigens so viele Lesereisen gemacht, dass es gar nicht so einfach ist, ein unsigniertes Exemplar zu bekommen.

Nicht geschenkt, aber bei ZVAB gekauft

Das schauspielerische Werk von Frau Knef war mir weitgehend unbekannt, das sängerische Werk würde ich eher als zwiespältig einordnen, wenn auch Für mich solls rote Rosen regnen wirklich ein krass sensationelles Stück ist: 

Mit sechzehn sagte ich still, ich will,  will groß sein, will siegen, will froh sein, nie lügen,  mit sechzehn sagte ich still, ich will,  will alles, oder nichts.

Allein die Geigen am Anfang! Vom Orchester Hans Hammerschmid, der auch Co-Autor des Stückes ist. Herr Hammerschmid ist berühmt und berüchtigt für ein anderes Stück: er hat die Titelmelodie der Schwarzwaldklinik kopiert (okay: er war alt und brauchte das Geld).  Für mich solls rote Rosen regnen ist allerdings ein wirkliches Meisterstück, haargenau auf die Knef. eingerichtet und später auch - schadet ja nüscht - zu einer queeren Hymne geworden. Aber zurück zum Gaul, denn Michael Maar hat wirklich recht, denn es ist wirklich sehr super. Es ist jetzt völlig anders, als ihr euch jetzt die Dicke-Wimpern-70er-Jahre-Knef vorstellt. Es ist nicht so, als wäre sie schonungslos sich selbst gegenüber oder ihren Liebsten, im Gegenteil hat man den Eindruck, sie schummelt ein bißchen zu Hildes Gunsten. Aber die Qualität ihres Schreibens, ihre szenisches Talent, ihr eidetisches Gedächtnis, ihre Neugier und Schnoddrigkeit, das hat kein bißchen Staub angesetzt und liest sich 2020 genau so fluffig und luftig wie früher. Hildegard Knef hat die Gabe, in ein, zwei Strichen Personen zu zeichnen (sie war als junge Dame übrigens in der Ausbildung zur Trickfilmzeichnerin) und in einem halben Satz eine ganze Situation dick einzukochen. Lest das mal, ihr werdet überrascht sein, wie gut es ist. 


Dauerbrenner der Woche: Song Of Joy mit 32 Wochen

Rakete der Woche: She's A Lady von Tom Jones

Liebling der Woche: natürlich Ramona!


Donnerstag, 4. März 2021

Nr. 27 vom 4.3.1971 oder Auf der Schaduwzijde des Bahnhof Zoo

  


Da sind wir wieder! Mit den aktuellen deutschen Top 20 vom 4.3.1971.

Wir haben lange nicht über Addy Kleijngeld gesprochen! Aber jetzt ist endlich wieder Heintje in da house, und zwar mit Schneeglöckchen im Februar Goldregen im Mai. Addy hatte auch noch eine kleine Nebenkarriere als Akkordeonist, etwa hier.

"Das klingt ja scheußlich", werdet ihr rufen und ihr habt recht. Es gibt auch eine umfangreiche Addy-Fanseite (http://www.addykleijngeld.nl/), auf der man etwas zwiespältig ist bezüglich der Heintjekarriere, die Addy Kleijngelds Aufstieg in den Akkordeonolymp doch etwas behinderte. "Het Sucess en de schaduwzijde" heißt es dort, und ich würde das mal einfach übersetzen in "Der Erfolg und die Schattenseiten". In dem Video sitzt Heintje  auf einer Eismaschine (!) in einem wirklich extrem roten Pullover (!) und schmettert sein Liedchen heraus. Heintje ist fast 16. Und uns ist klar, dass man mit 16 nicht mehr nur an Schneeglöckchen interessiert ist (und auch nicht an Goldregen).

Es war auch der letzte große Hit für Heintje, und Hein Simon hatte gar keinen mehr. Ja, das sind die Schaduwzijden!

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Schon seit 10 Wochen in der Hitparade, und letzte Woche knapp an der 1 gescheitert: Hier ist ein Mensch von Peter Alexander. Das Lied hat einen verblüffend progressiven Text. 

Kennst du seinen Namen? Seinen Namen kennst du nicht Sieh zu ihm hinüber und dann kennst du sein Gesicht Hier ist ein Mensch schick ihn nicht fort Gib ihm die Hand schenk ihm ein Wort Hier ist ein Mensch der will zu dir  Du hast ein Haus (du hast ein Haus) öffne die Tür

Komponiert haben die Angelegenheit Jonny Halvey und Mike Doven, die eigentlich Kurt Felz undWerner Scharfenberger hießen, und abgesehen hiervon fast nur noch durch Immer wieder sonntags in Erscheinung getreten sind. Der Kabarettist Wolfgang Gruner hat daraus ein scheußliches Sauflied über einen heimkehrenden Trunkenbold gemacht, so in der Richtung Didi Hallervorden und Frank Zander (wobei ich auf den letzteren nichts kommen lasse).

Wobei ich mir ehrlich gesagt gar nicht so sicher bin, wie Hier ist ein Mensch jetzt eigentlich gemeint ist. Die "Gruppe Arnold Hau" aus der Neuen Frankfurter Schule hat tatsächlich schon 1972 ein Video dazu gedreht https://www.youtube.com/watch?v=np0AJzUwo88 , das - geben wir es offen zu - etwas merkwürdig ist. Es ist sogar sehr, sehr merkwürdig.  

 

Noch einmal ein weiterer Nachtrag zum Herumtanzen in den Siebzigern, von letzter Woche: mit Interesse verfolge ich die aktuelle Serie Wir Kinder vom Bahnhof Zoo von Phillip Kadelbach und Oliver Berben et. al. (auf amazon). Die Serie versucht einerseits, historisch akkurat zu sein, auf der anderen Seite gibt es immer wieder Elemente im Sinne eines magischen Realismus, welche die Handlungszeit sozusagen auflösen (um es nett zu sagen).

Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, eigentlich 1976, oder auch 2020

Das betrifft auch das Herumtanzen in der legendären SOUND-Disko. Ich kann mir vorstellen, es war schier unmöglich, 100 oder 200 Tanzstatisten zu finden, die so tanzen wie 1976. Also läßt man sie tanzen wie im Jahr 2020. Sie haben die richtige körperliche Elastizität, sie benutzen ihre Arme auch über dem Kopf. Wenn sie aber wie 2020 tanzen, brauchen sie auch die richtige Musik dazu, und deshalb wird im SOUND Techno aufgelegt. Das führt zu fast schon skurrilen Verläufen, wenn Christiane F. aus ihrem 1976-Gropiusstadt in ein Berghain-SOUND geht und anschließend wieder auf der 1976-Kurfürstenstraße steht. Vielleicht hätte man es noch härter machen können und sie auf einem 1929-Babylonberlin-Kudamm landen lassen können? Oder im SOUND Beethoven-Sonaten spielen lassen? Man weiß es nicht! 

Verblüffend wird sein, wenn man sich dieses 2020-Bahnhof Zoo z.B. einmal 2040 angucken wird. Diesen Effekt hatte ich kürzlich, als ich einmal mal wieder Sergio Leones Es war einmal in Amerika angeschaut habe. Handlungszeit ist dort bekanntlich 1922, 1932 und 1968. Ich habe allerdings selten einen Film gesehen, dem man die Achtzigerjahre so dermaßen ansieht, und zwar 1922, 1932 und 1968 (dort am meisten!) Große Maler haben damals ja auch umstandslos ihre Trachten des 14. Jahrhunderts an die Heilige Familie des 1. Jahrhunderts drangemalt. Und so verhält es sich dann auch mit den neuen Kindern vom Bahnhof Zoo (der nicht einmal richtig mehr Bahnhof ist).

 

Dauerbrenner: A Song Of Joy mit 31 Wochen
Rakete: Alles was wir wolln auf Erden von Ramona +8
Liebling: Hier ist ein Mensch! Öffne die Tür!


Donnerstag, 18. Februar 2021

Nr. 26 vom 18. 2. 1971 oder Die Fischbrötchen tanzen wir quitt

 

So, das war jetzt aber eine arg lange Pause zu Weihnachten, aber erst war ja Silvester, und dann mußte ich meinen Weihnachtsbaum abbauen, dann hatte ich keine Zeit, und dann war es auch schon Februar.

Aber unverzagt in eine neue Ausgabe der Top 20. Hier die youtube-Playlist. Und auf Platz Nr. 1 (und das schon seit 7 Wochen) ist George Harrison mit My Sweet Lord. Ich kann mich sogar erinnern, als das ein Hit war (ich war fünf Jahre alt), weil es ein unglaublich transgalaktisch riesiger Hit war (was wir auch noch sehen werden - paß mal auf, El Condor Pasa). Ich weiß auch noch, was ich verstanden habe: es handelt sich um ein englisches Lied (da ich den Text nicht verstehen konnte), es sang jemand Hallelujah und es ging um einen Lord. Allerdings weiß ich nicht mehr, was ich mir daraus zusammengereimt habe: ein englischer Lord, der in eine Kirche geht? Auch die Verbindung zu den Beatles, die ich durch She Loves You und Hey Jude wenigstens unterbewußt kannte, habe ich nicht gezogen. Wahrscheinlich habe ich mir im Februar 1971 überhaupt nichts gedacht. Ich wußte, in einigen Monaten endlich in die Schule gehen zu können. Ich freute mich, denn dort würde ich endlich lesen lernen.

Viel später, Weihnachten 1979 bekam ich dann die zu My Sweet Lord zugehörige LP All Things Must Pass. Es war ein typisches Weihnachtsgeschenk, denn es war eine Dreifach-LP im Pappkarton, die mehr als 30 Mark kostete. Und man ahnte auch schon, dass sie nicht so ganz super-duper sein würde. George war auch schon bei den Beatles ein unsicherer Kantonist gewesen, ich sag nur Within You Without You oder die scheußlichen Old Brown Shoe oder Savoy Truffle. Als alternative Dreifach-LP (es ist ja nur einmal im Jahr Weihnachten) wäre noch Wings Over America in Betracht gekommen, aber drei LPs nur mit Paul McCartney sind ja auch kein Spaß. 

Und My Sweet Lord fand ich da auch nicht so überragend. Harrison hat es übrigens auch gestohlen, hier das Original He's So Fine von den Chiffons. Komponiert hat es ein gewisser Ronnie Mack als She's So Fine für eine Doo-Wop Band namens Jimmy River & The Tops; als es dann die Mädchen-Chiffons machen wollten, wurde es kurzerhand im Februar 1963  He's So Fine umgemodelt. Am Klavier sitzt übrigens die deutlich bekanntere Carole King. Praktisch zeitgleich übrigens nimmt eine gar nicht unbekannte Liverpooler Band den Titel "Chains" von Carole King für ihre erste LP auf.

Die Mädchen singen übrigens Do-lang-do-lang-do-lang im Hintergrund, was immer das bedeuten mag.Und auch Ronnie Mack hat zwar noch den Erfolg von He's So Fine mitbekommen, aber nicht mehr My Sweet Lord, weil er schon November 1963 durch Lymphdrüsenkrebs zu meinen süßen Herrn gerufen wurde.

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Roy Black, Für Dich allein (Du kannst nicht alles haben). Eines der schlimmsten Beispiele des kleinen Sub-Genre "Kinder & Star-Schlager", das gerade Roy Black mehrfach bespielte. Schaut euch mal das Video an! 

Eine kleine Indianer-Kinderbrigade kommt hinter den Bäumen hervorgesprungen, legt etwas Reisig ab, den sie innerhalb von Sekunden lichterloh entzünden, dann kommt der Mann mit dem dunklen Anzug hinter dem Baum hervor und singt, dass das Leben nicht nur Spasz ist, sondern die Rosen auch Dornen haben. Boah. Das ging heute auch alles nicht mehr. 

Mir fiel jetzt folgende Zeile aus der zweiten Strophe auf:

Zu jeder Stunde Würstchen und 'ne Tüte mit Pommes frites, lauter Kaugummi am Sofa und die Schule sind wir quitt.

Ok, Würstchen, ok, Pommes, aber warum denn Kaugummi "am" Sofa? Und "die Schule sind wir quitt" ist ja grammatikalisch doch heikel. Man ist ja mit jemanden quitt, und nicht so einfach so quitt. Obwohl das durchaus neue Möglichkeiten bietet, um auszudrücken, dass man durch ist mit einer Sache, Ende-Gelände, keinen Bock mehr. Corona bin ich quitt.  Ihr ahnt es: das Video ist auch einem Film, und zwar "Wer zuletzt lacht, lacht am besten". Und natürlich von Harald Reinl (der Winnetou-Reinl, der übrigens, wie ich gerade interessiert lese, Regie bei Leni Riefenstahl in "Tiefland" gelernt hat. Theo Lingen, Peter Weck, Uschi Glas spielen auch mit, und - Licht aus, Spot an- Ilja Richter aus Berlin. Mit Herrn Richter werden wir jetzt gelegentlich zu tun bekommen, da man sehr viele Folgen von DISCO bei youtube eingestellt hat, was uns noch sehr viel Freude bereiten wird. Es handelt sich um die allererste Sendung vom 13. Februar 1971, und zwar hier.


Disco 71 (Quelle: ZDF)


Man merkt es der Sendung an, dass sie noch ein wenig am Üben sind. Generell ist das Konzept so, dass es drei Bühnen gibt: die eine Bühne mit angeblichen Steuerungsknöpfen, Dashboards und Monitoren für Ilja Richter und dann zwei Bühnen, auf denen abwechselnd die Bands und Künstler auftreten. Damit das nicht zu fade wird, hat man (James-Last-mäßig, nur eben jünger) nicht mehr als zwei Dutzend junge Menschen eingeladen, die Fans spielen oder sind, und zu den Musiknummern dann tanzen. Ich habe DISCO regelmäßig, aber wenig interessiert geguckt (wie das Erwachsenen-Pendant) HITPARADE, und so bin ich mit dem DISCO-Tanzstil großgeworden. Als ich dann 1975 auf einer Klassenfete erstmals in das Tanz-Business hineingeschmissen wurde (anders kann man es nicht sagen), habe ich dann die Tanzbewegungen nachgeahmt, die ich in einigen Jahren DISCO gesehen habe. Also im Prinzip die Arme anwinkeln und dabei die Ellenbogen an den Bauch pressen, den gesamten Oberkörper nach links und rechts drehen und die Knie dazu sacht abwinkeln und sich dabei in mehreren Stopps um sich selbst drehen, langsamer als der Mond um die Erde. Das sieht so aus, als würde man auf der Fehmarn-Fähre zwei Teller mit Fischbrötchen bei Windstärke 8 durch die Schiffskantine tragen. Die Einspieler aus Top Of The Pops zeigen übrigens, dass man in UK etwas weiter war, z.B. mit "Hände in die Luft schmeißen" und "Oberkörper vor und zurück biegen" und es gibt auch einmal eine kühne Drehung. Das hatten wir echt nicht drauf, weil wir ja alle das nur aus DISCO wußten und wiederum einige wenige auserwählte Fischbrötchentänzer dann live in die Sendung eingeladen wurden, womit sich der DISCO-Tanzstil ad infinitum weiter vererbte und wahrscheinlich auch in der Hüpf-DNA bei Rave im Berghain nachzuweisen wäre. 

Bemerkenswert übrigens der Auftritt von Lulu (16:27). Boah, Lulu rockt aber den Laden so
etwas von! Da können sich die Herrschaften von DISCO aber eine Scheibe von
abschneiden. Man würde ihr glatt zutrauen, sich die Klamotten vom Leib zu
reißen und die Perücke ins Publikum zu schmeißen. Wie schade, dass sie nicht in
der Hitparade ist! 

DISCO und Hitparade sind sozusagen lose gekoppelt, da es offensichtlich so war, dass DISCO-Airplay die Platzierung pusht. Das werden wir einmal im Auge behalten. Der diesmalige DISCO-Faktor liegt bei 3: Kinks, Dave Edmunds und Christie. Während die Kinks aus Top Of The Pops zugespielt werden, sind Dave Edmunds und Christie live zugegen. Sehr cooler Auftritt von Herrn Edmunds, finde ich (22:22). Übrigens sind links im Hintergrund zwei Mädchen zu sehen, die praktisch bei jedem Clip im Bild sind. Wir werden uns das merken, Mädchen im gelben Pulli, für die nächsten Sendungen! - Oh, ich sehe gerade, dass man Herrn Edmunds gerade jetzt wegen Urheberrecht rausgeschnitten hat, das ist sehr schade, weil er wirklich eine coole Sau ist. 

Ilja Richter hat wirklich eine bemerkenswerte Karriere hingelegt. Er wurde schon als Kind für Hörfunk und Theater eingesetzt und hatte schon 1967 eine Serienauftritt in Till, der Junge von nebenan. Dort war er allerdings nicht Till, sondern "Lackaffe Albert". Es ist merkwürdig mit dem Ilja-Richter-Jungsein in diesen 68er-Jahren: Ilja Richter ist zwar jung, aber er ist ein alter Junger (oder junger Alter). Das eigentliche Jungsein war damals ja noch sehr jung: vorher haben die Teenager ausgesehen wie junge
Erwachsene, und nichts war den Jungs lieber, als schnellstmöglich mit Hut und Anzug herumzurennen, um in den Augen von Männern als satisfaktionsfähig zu gelten. Das änderte sich erst in den Endsechzigern und all diesen Gammlern oder noch schlimmeren. Ilja Richter hingegen war ein bißchen frech, aber eindeutig auf der Seite der Erwachsenen (später in DISCO mit Anzug und Fliege). Ilja Richter spielt den Erwachsenen vor, wie Jugendliche angeblich so sind, also er ist weniger ein Jugendlicher als vielmehr ein Jugendlichendarsteller. 

Zehn Jahre später hat Thomas Gottschalk diese Rolle bekommen, der übrigens genau so alt wie Ilja Richter ist. Ebenso wie Susanne Albrecht und Christian Klar. Ulrike Meinhof, Andreas Baader und Gudrun Ensslin, womöglich Jugendliche im Sinne einer damaligen Gegenwart, sind hingegen 7-10 Jahre älter. 

Dauerbrenner: A Song Of Joy mit 29 Wochen
Rakete: Immigrant Song + 10
Liebling: Für dich allein!








Donnerstag, 31. Dezember 2020

Nr. 25 Die große Jahresauswertung 1970 oder Das Evangelium nach Hansi

 

So! Das war unser erstes Jahr mit der Goldenen 20. Ich hoffe, es hat Euch Spaß gemacht, uns jedenfalls auch, so dass wir es ein klein wenig verlängern werden. Aber zuerst werfen wir einen kleinen Blick auf die Top 20 des gesamten Jahres.

"Spirit In The Sky" habe ich ja praktisch schon wieder vergessen, so lange ist das her. Bridge Over Troubled Water ist eines der drei Simon & Garfunkel-Lieder der Top 20. Das haben sonst nur Creedence Clearwater Revival geschafft. Und das war es dann auch an Mehrfacheinträgen! Alle anderen schafften es jeweils nur ein einziges Mal in die Top 20. 

Ebenfalls interessant: 18 der 20 Einträge sind englischsprachig, nur Du von Peter Maffay und Dein Schönstes Geschenk von Roy Black schmiegen sich auf Platz 5 und 6 aneinander. 
Sage und schreibe 15 der 20 Einträge sind von Bands, nur 5 von Einzelinterpreten, allein 4 davon allerdings in den Top 6. Das ist alles kein Zufall. Es war die Zeit der englischsprachigen Bands, und die wird auch noch einige Zeit anhalten. Obwohl sich ihr herausragendster Vertreter verabschieden wird - was natürlich sehr traurig ist: es ist das letzte Jahr mit einem Beatles-Lied in den Top 20. Würdevoll schreitet Let It Be auf Platz 10 in die Geschichte. Auch Simon & Garfunkel werden sich 1970 verabschieden. Müßte ich jetzt daraus meine drei Lieblinge heraussuchen, ist das nicht einmal so schwer, und hier einmal begründet:

Whole Lotta Love Vielleicht eine der besten Gesangsleistungen aller Zeiten. Ein unglaublich dichtes, ansteckendes Gitarrenriff. Und dazwischen ein plötzliches Loslassen ins Dunkle, Wirre, es sind eineinhalb Minuten Chaos, bis Robert Plant das Leben, den Sex und die ganze Liebe wieder herbeischreit.

Bridge Over Troubled Water In gewisser Hinsicht ein Antagonist zum napalmgeilen Whole Lotta Love. Paul Simon hat später oft über dieses Lied gesprochen, weil er es für das Beste hielt, was er jemals gemacht hat und weil es etwas unheimlich war, wie es zu ihm gekommen war. Und ich muß auch zugeben: es ist bis heute gänsehäutig, wie in der dritten Strophe die Streicher kommen, und sich alles auflöst, irgendwo im Himmel.

Let It Be Obwohl eigentlich Abbey Road der Schwanengesang der Beatles war, so ist Let It Be die letzte Single zu Lebzeiten. Nicht nur wegen des Textes (Mother Mary) hat es etwas Katholisches. Ein würdevoller Abgang.

Ganz ehrlich: so richtig beschweren können wir uns über ein Jahr mit Whole Lotta Love, Bridge Over Troubled Water und Let It Be. Dazu wollen wir einmal auch einen Blick auf die LP-Charts des Jahres werfen.


Die LPs des Jahres 1970. Quelle: Hit Bilanz, Taurus Press


Das ist einmal wegen der Unterschiede, aber auch wegen der Gemeinsamkeiten bemerkenswert. Udo Jürgens, der in den Single-Charts nicht einmal so eine riesige Rolle gespielt hat, ist tatsächlich mit Udo '70 auf Platz 1. Eine übrigens hervorragende Platte. Bei Udo Jürgens gab es die Marotte, die 69er-LP "Udo '70" zu nennen, wohingegen die 70er-LP - genau - "Udo '71" hieß. Es gab dann später noch "Udo '75", welche 1975 erschien, dann "Meine Lieder 77" von 1977 und schließlich "Udo '80", die 1979 herauskam - wie man sieht, betritt man mit den Jahreszahlen-LPs von Udo Jürgens das Reich kalendarischer Logik. 

Dass sich Mireille Mathieu als Newcomerin auf Platz 2 festranzt, hat mich ehrlich gesagt überrascht. Weniger erstaunlich ist, dass sich James Last gleich zweimal mit seinem Non Stop Dancing in der Hitparade befindet. Mit der Reihe Non Stop Dancing hat "Hansi" James Last insgesamt neun Nr. 1 -Platzierungen in den Hitparaden gelandet. Das Konzept ist wirklich faszinierend: James Last arrangierte eine kleine Bigband (vier Trompeten, drei Posaunen, zwei Saxophonen oder Flöten, Piano oder Orgel, zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug, Percussion, Streicher) zusammen, die jeweils drei aktuelle Hits zu einem Medley zusammenbrachten. Die Schnipsel dauerten zwischen 1 Minuten und maximal 1:45 min (aus GEMA-Gründen). Dazu gab es dann einen Chor, der aber immer nur Lalala sang (oder Lalalala). Der Mann hat 162 Langspielplatten in die Charts gebracht mit Lalala. Eine weitere Besonderheit war, dass Partygeräusche mit eingespielt wurden. Diese Partygeräusche wurden tatsächlich in Echtzeit produziert: man schenkte also reichlich Getränke aus, dazu Schnittchen, spielte das zuvor aufgenommene Tonband ab und nahm die gesamte Atmo (wie wir heute so schön sagen) wiederum auf Band auf, um Originaltonband und Atmotonband nachher wieder zusammenzumischen. Es gibt da immer Gläserklirren, Klatschen im Takt, Zwischenjubel in den Medley-Fugen und auch mal Eröffnungsjubel bei besonders populären Gassenhauern.

In jedem deutschen Haushalt der Siebziger gab es Non Stop Dancing-Platten. Ich glaube, ich gehe nicht fehl zu behaupten, dass es deutlich mehr Non Stop Dancing als Bibeln in den Regalen standen. Zeitweise war 30% des Polydor-Umsatzes ein Non Stop Dancing-Umsatz.

Als wir uns als junge Leute für Musik interessierten (einige Jahre später), waren James-Last-Platten wirklich das Allerhinterletzte. James-Last-Platten waren Partykeller, Käseigel, Urlaub mit dem Opel Rekord in Südfrankreich, Helmut Schmidt, Zinn 40, Dalli-Dalli. 

Man beachte: selbst "The Ballad of John and Yoko" wird in Happy Sound verwandelt.
Quelle: discogs

Single-Hits hatte James Last eigentlich nur zwei: zum einen den Einsamen Hirten von 1977, mit dem Georghe Zamfir mit der Panflöte berühmt und berüchtigt (El Condor Pasa!) wurde und  1981 mit "Biscaya", ein Titel ausgesuchter Scheußlichkeit, in dem der James-Last-Sound nach demselben Strickmuster mit einem Akkordeon vermählt wird. Der Käseigel-Charme des Happy Sound ist völlig verflogen, sehr schade. In jener Zeit fangen die Chöre auch an, außer Lalala wenigstena halbe Strophen mitzusingen. Das konnte ja nicht gut enden. So ähnlich wie bei Beethoven und Fidelio. 

James Last hat natürlich unglaublich viel Geld verdient, konnte aber damit überhaupt nicht umgehen. Regelmäßig wurde er von Managern und Anlageberatern übers Ohr gehauen. So kaufte er Anfang der 80er diverse Weingüter (Wein geht immer). 1985 wollte er dann einmal seine Weingüter besichtigen (man stellt sich vor, wie sich wiederum Hansi Last vorgestellt hat, zwischen Reben durch einen sonnenbeschienen Hang zu steigen). Es stellte sich allerdings heraus, dass sein Wein-Reich komplett erstunken und erlogen war. Und deshalb mußte James Last sogar noch bis zum Jahr 2000 auf der Non-Stop-Dancing-Galeere rudern, bis er endlich schuldenfrei war. 



Pop Poll 1970. Quelle: Musikexpress



Dabei haben die Leser abgestimmt, wen sie jetzt am meisten dufte (oder auch mal nicht dufte) gefunden haben, fein säuberlich nach "inland" und "ausland". Es gibt sogar die Rubrik "Bestgekleideter Popstar", die Udo Jürgens neben der Rubrik "Sänger des Jahres" und "Musiker" gewinnt. International ist Mick Jagger am besten angezogen, und auch der beste Sänger. Wir können uns merken, dass 1970 Udo Jürgens der deutsche Mick Jagger war. Immerhin. 

Inland

Sängerin des Jahres: Katja Ebstein

Sänger des Jahres: Udo Jürgens

Popgruppe: Rattles

Undergroundgruppe: Amon Düül II

Bluesgruppe: Ihre Kinder

Nachwuchskünstler: Peter Maffay

Schlechteste Gruppe: Lords

Musiker: Udo Jürgens

Single: The Witch (Rattles)

LP: Yeti (Amon Düül)
Radio: Südwestfunk

Programm: Pop Shop (SWF)

Schauspielerin: Uschi Glas

Schauspieler: Heinz Rühmann

Bestgekleideter Popstar: Udo Jürgens

Sensationellste Show: Rolling Stones

International

Sängerin des Jahres:Melanie

Sänger des Jahres: Mick Jagger

Popgruppe: Rolling Stones

Undergroundgruppe: Black Sabbath

Bluesgruppe: John Mayall

Nachwuchskünstler: Black Sabbath

Schlechteste Gruppe: Bee Gees

Musiker: Jimi Hendrix

Single: Paranoid

LP: Deep Purple In Rock
Radio: Radio Luxemburg

Programm: Saturday Night Show (BFBS)

Schauspielerin: Raquel Welch

Schauspieler: Peter Fonda

Bestgekleideter Popstar: Mick Jagger

Sensationellste Show: Isle of Wight


So, meine Lieben. Die Zeit drängt. Ich muß noch Berliner kaufen, die hier Pfannkuchen heißen, weil ganz ohne Berliner (die hier Pfannkuchen heißen) kann man das Jahr auch nicht verabschieden. Wir sehen uns 1971!